Die Winterkönigin

21. Sarenith - Feuertag (Enya)

Fremde in der Stadt und Winter im Grenzwald

Der Jäger Dreidenkäp erholt sich gut von seinen Wunden. Und im Gegensatz zu den anderen im Dorf, halte ich ihn nicht für verrückt, nur weil er behauptet einen riesigen weißen Marder im Grenzwald gejagt zu haben. Dafür sehen seine Wunden einfach zu sehr genau nach dem aus: einem riesigen Marderbiss. Und dass dort irgendetwas seltsames vor sich geht im Grenzwald, davon konnte ich mich später sogar selbst von Überzeugen.

Ich hatte zudem Gerüchte vernommen, dass Fremde in der Stadt seien und habe sie auch prompt bei Kelly in der Taverne gefunden. Der eine war ein Halb-Ork mit einem niedlichem Eidechsenhund an seiner Seite, der jedoch nicht für Hirschkeule und Streicheleien zu begeistern wahr. Also der Eidechsenhund, nicht der Halb-Ork. Der andere war ein Bibliothekar namens Bleviar, den ich noch nicht so recht einzuschätzen weiß. Ebenfalls mit am Tisch war mal wieder Lydia, die wohl in der Gegend war und auf einen Happen zu Essen vorbeigekommen ist.

Bleviar hat bei mir aber schon mal einen Pluspunkt gesammelt: So ist er bereit sich um den wohl etwas stumpfsinnigen Halb-Ork und seinem Purzel – so heißt der Eidechsenhund – zu kümmern, den Safander bei sich vor dem Tempel in der Regenrinne gefunden hat. Als er daher Interesse an dem Wintereinbruch am Grenzwald zeigte und zum Hof vom altem Dampski wollte, war ich gerne bereit ihm den Weg zu zeigen (okay, und weil ich eh mir dieses seltsame Wettereignis mit eigenen Augen ansehen wollte). Da Kelly ihm Geleitschutz geben wollte, erhielt ich zudem eine willkommene Gelegenheit mich bei ihr nach Neuigkeiten zu erkunden. Und ich könnte natürlich Dampski selber nach den Vorkommnissen auf dem Hof befragen und müsste mich nicht mehr auf Gerüchte verlassen.

Nachdem ich eben noch Mütterchen Theodora Bescheid gegeben habe, dass ich dem Hof einen Besuch abstatten will, sind wir auch schon los. Dort angekommen ärgerte ich mich, dass ich nichts zum Überwerfen mitgenommen habe, denn es war merklich kälter im Dorf. Mit Dampski konnte ich jedoch nicht sprechen, da laut seinen Kindern, Filessa und Broka, er gerade im Dorf war. Dafür konnte mir Broka eine interessante Geschichte über einen sprechenden weißen Hirsch erzählen, den er vor ein paar Tagen, am Mondtag, getroffen hat. Er hat sich nichts dabei gedacht, als er dem Hirsch bereitwillig alle Fragen beantwortet hat. Für mich hörte es sich aber so an, als ob der Hirsch ihn gezielt ausgefragt hat. Denn nur einen Tag später wurde, was von der erfrorenen Ernte noch über war, gestohlen. Kelly hat sogar im Schnee Fußspuren vom Feld in den Grenzwald gefunden, denen wir erstmal folgten.

Weit kamen wir jedoch nicht. Der Schnee war irgendwann so tief, dass wir nicht mehr vernünftig vorankamen und dann hat uns auch noch ein Tatzelwurm, so hat Bleviar das Ding genannt, aufgelauert! Mit vereinten Kräften (bis auf Bleviar, der steckte im Maul des Tatzelwurms) konnten wir ihn aber besiegen. Da es beständig am Schneien war, sind wir schnell den Spuren weiter gefolgt und kamen auch zu dem Fluss, an dem Broka, den weißen Hirsch nachlaufend, eingebrochen war. Danach verlor sich die Spur und wir mussten umkehren. Nicht zuletzt, weil wir uns gerade den Hintern am Abfrieren waren, weil keiner von uns winterfeste Kleidung mitgenommen hatte. Wer konnte auch schon vermuten, dass es im Hochsommer SO kalt wird?

Zurück im Dorf haben wir Safander Bericht erstattet, der uns zugleich auch bat am nächsten Tag zur vierten Stunde zum Rathaus zu kommen. Um was es genau ging, hat er aber nicht verraten. Bevor ich nach Hause bin, habe ich mir aber noch diesen seltsamen Tatzelwurm näher angesehen. Wir hatten bei der Begegnung wohl Glück gehabt, da der Wurm im Körper einen prallen Sack mit Gift mit Öffnung in den Rachenraum hinein besaß. Er hätte uns also vermutlich eine üble, giftige Wolke ins Gesicht blasen können. Besser ich besorge mir Gegengift für den Fall, dass mir so ein Ding nochmal über den Weg läuft.

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Echidnah

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