Die Winterkönigin

23. Sarenith – Sonntag (Enya)

Zombies, Feen und ein sprechender Schneemann

Während ich hier liege und unter der Betreuung von Mütterchen Theodora so langsam wieder auftaue, erzähle ich mal warum ich eigentlich fast zum Eisblock erfroren wäre.

Ich war den Tag recht optimistisch angegangen, da mein Vermögen sogar für zwei Alchemistenfeuer reichte. Sollen diese Tatzelwürmer brennen! Und auch der Rat hatte uns kräftig unterstützt, indem er für jeden von uns Winterkleidung aufgetrieben hatte (die jedoch trotzdem nicht verhindert hat, dass ich mir den Hintern abfror). Wir holten noch den Kurzspeer und die Bolzen mit Spitzen aus kaltem Eisen ab, die Bleviar bei Isker in Auftrag gegeben hat, dann marschierten wir auch schon los.

Nach drei Stunden Marsch Richtung Süden gelangten wir zu der Stelle des Überfalls. Die Karawane schien aus zwei Kutschen bestanden zu haben, wobei nur die zweite völlig zerschmettert war. Daher schaute ich mir die erste genauer an und nahm tatsächlich stöhnende Geräusche aus dem Inneren der Kutsche war! Ich zerschmetterte das Fensterglas, um mir einen besseren Überblick über den Zustand des Überlebenden verschaffen zu können. Allerdings war das, was dann da aus dem Fenster kroch, schlimmer als wenn es trotzdem nur eine weitere Leiche gewesen wären: ein Zombie!

Wie sich herausstellte, waren es sogar zwei Zombies, die in der Kutsche versteckt waren. Aber zum Glück scheinen Zombies in der Wirklichkeit deutlich weniger gefährlich zu sein, als wie sie in den Gruselgeschichten immer dargestellt werden. Zumindest reichten ein paar kräftige Bisse unserer tierischen Begleiter und so Säurespritzer von Bleviar aus, um ihnen den Garaus zu machen. (Bleviar scheint also tatsächlich mehr zu sein, als nur ein Buchkurier. Vielleicht passt die Größe seines Egos doch zu seinen magischen Künsten. Andererseits, sein Ego ist schon verdammt groß.) Weitere Überraschungen hielt der Ort nicht mehr für uns bereit. Wir fanden nur noch die Schmuckschatulle der Adeligen, die Bleviar an sich nahm, um sie der Adeligen wiedergeben zu können. Eins ist jedoch seltsam: Die Schatulle war nur halbherzig versteckt, hätte also von den Räubern gefunden werden müssen. War es vielleicht gar kein Raubüberfall, sondern eine gezielte Entführung der Adeligen? Und zu welchem Zweck?

Vom Kampfgeschehen führten Fußspuren von ungefähr zehn Humanoiden und zwei Pferden zielstrebig westlich in den Wald hinein, denen wir auch zugleich tapfer folgten. Wobei mir die daraus folgende Anzahl Feinde Sorgen machte. Hoffentlich gehörte mehr als nur die Fußspur der Adeligen zu den Überlebenden der Karawane. Je tiefer wir in den Wald vordrangen, desto kälter und verschneiter wurde es. Auf einer kleinen Lichtung fanden wir eine halb im Schnee eingesunkene Kiste. Trotz meiner Warnung, diese offensichtliche Falle in Ruhe zu lassen, haben sich alle bis auf Bleviar draufgestürzt. Es kam wie es kommen musste: Die Falle löste aus und ein riesiger Baumstumpf riss Lydia, Samu und Purzel von den Füßen. Nachdem ich mich Lydias und Samus Verletzungen angenommen habe (Purzel scheint gehörige Selbstheilungskräfte zu besitzen), förderte die Untersuchung der Kiste – oder vielmehr die versteckte Grube unter der Kiste – die Ausrüstung der Karawanenwache zutage. Um bessere Chancen gegen den uns bevorstehenden Kampf zu haben, lieh sich Ulok kurzerhand Dolch und Rüstung und wir marschierten weiter.

Wir gelangten in einen Bereich des Waldes, der „geschmückt“ war mit den Leichen endloser Raben, an die zudem immer ein Stück Leder befestigt war. Während wir uns auf der Lichtung verteilten und die Raben näher untersuchten, wurden wir von drei winterberührten Feen überrascht. Sie waren meisterlich im Angreifen und sogleich wieder Verstecken. Eine machte irgendwann den Fehler in den Radius meiner greifenden Haare zu fliegen, das heißt ich konnte diese kurz festhalten. Nachdem ich beim Nachgreifen abrutschte, konnte Bleviar sie trotzdem noch schnell Ausschalten. Wie der Kampf dann noch verlief, bekam ich nicht mehr mit, da mich die dritte Fee mit schillernden Lichtern außer Gefecht setzte.

Als ich wieder bei Bewusstsein war, waren die Feen tot und wir noch am Leben. Wenigstens etwas. Jedoch begann mir langsam wirklich kalt zu werden. Ich musste mich dringend Aufwärmen und schlug die Rückkehr vor. Bleviar wollte lieber weitersuchen (Ulok marschierte bereits einfach weiter), worauf eine hitzige Diskussion über das sinnvollste Vorgehen entbrannte. Wir einigten uns noch eine weitere Stunde den Spuren zu folgen. Diese zusätzliche Stunde sollte sich aber schon als Zuviel für mich herausstellen.
Wir erreichten den zugefrorenen Wünschelbach. Dieser wurde von zwei kleinen Eiselementaren bewacht, die uns erfolgreich mit einem sprechenden Schneemann ablenkten, um einen Überraschungsangriff starten zu können. Viel genützt hat es ihnen jedoch nicht. Ein Biss, ein Axtschwung, und beide waren nur noch ein Haufen Eiswürfel. Bleviar hielt sein Versprechen und wir machten kehrt.

Auf dem Rückweg kreuzte ein sprechender, weißer Elch unseren Weg. Ich warnte Bleviar, dass das vermutlich der weiße „Hirsch“ war, der den kleinen Jungen nach seinem Hof ausfragte, bevor dieser überfallen wurde. Und in der Tat erkundigte sich der Elch ganz beiläufig woher wir kämen, wie weit es denn bis dahin sei, wie viele wir dort seien… weiter kam er nicht, da Bleviar den Elch kurzerhand schlafen schickte und wir geschwind weiter eilten.

An alles danach erinnere ich mich jedoch nicht, womit ich wohl dann vor Kälte ohnmächtig geworden sein muss. Ich erwachte hier in der warmen Hütte mit einem Stapel aus fünf Goldmünzen neben mir. Über deren Herkunft zu grübeln ist mir jetzt aber zu anstrengend, ich werde die anderen morgen einfach danach fragen. Zusammen mit der Frage, wie unser weiteres Vorgehen ist. Denn auch wenn der Grenzwald nicht riesig ist, macht der Schnee ein angemessenes Vorankommen unmöglich. Es könnte daher gut sein, dass wir in dem Wald sogar übernachten oder zumindest uns zwischendurch aufwärmen müssen. Ich bin mal gespannt was die anderen dazu sagen.

Comments

Echidnah

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.