Die Winterkönigin

22. Sarenith – Sterntag (Enya)
Dampski und Adelige vermisst

Der Jäger hatte sich soweit von seiner Jagd auf den weißen Riesenmarder erholt, dass seine Frau nun sich alleine weiter um ihn kümmern konnte. Ich nutzte daher die Zeit bis zu meinem Termin am Nachmittag, um einem unguten Gefühl von mir nachzugehen. Ich erkundigte mich im Dorf, ob der alte Dampski wirklich gestern im Dorf war, wie seine Kinder behauptet hatten. Speziell der Kommentar der Kinder von wegen er wolle seine Ernte zurückholen, lässt mich schreckliches ahnen. Und tatsächlich, es hatte seit Tagen niemand im Dorf den alten Dampski mehr gesehen gehabt. Als ich es Safander erzählen wollte, hatte die Ratsversammlung jedoch schon angefangen gehabt.

Nach der Ratsversammlung stand aber erstmal dringenderes an, denn ich erfuhr endlich, was die Ratsmitglieder gestern so abwesend erscheinen ließ. Mitten auf der Straße durch den Grenzwald, 9km südlich von Heldren, wurde die Karawane von der Adeligen Argentea Malassene aus Oppara von Räubern und Wintermonstern überfallen. Nur ihr alter Leibwächter, Yuln Oerstag, konnte schwer verletzt fliehen. Da die beiden Fremden, Kelly und ich uns gestern so gut geschlagen hatten mit dem Tatzelwurm, bat der Rat daher uns die Adelige zu suchen.

Ich informierte Safander noch über das Verschwinden vom alten Dampski, und er stimmte mit mir überein, dass die Kinder nicht alleine auf dem Hof bleiben konnten. Insbesondere, da sich der Winterbereich Auszudehnen scheint. Während ich also die Kinder vom Hof holte, sprachen die anderen nochmal selber mit dem Leibwächter, um eventuell weitere Informationen zu bekommen. So konnten sie in Erfahrung bringen, dass diese Wintermonster empfindlich gegenüber kaltem Eisen und Feuer seien. Wie gut, dass ich erst letztens noch eine Palette voll Alchemistenfeuer zusammen mit Tessareda hergestellt hatte. Aber leider werden meine Ersparnisse wohl nur für ein oder zwei Stück reichen. Besser ich nehme morgen noch ein paar Fackeln mit.

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21. Sarenith - Feuertag (Enya)
Fremde in der Stadt und Winter im Grenzwald

Der Jäger Dreidenkäp erholt sich gut von seinen Wunden. Und im Gegensatz zu den anderen im Dorf, halte ich ihn nicht für verrückt, nur weil er behauptet einen riesigen weißen Marder im Grenzwald gejagt zu haben. Dafür sehen seine Wunden einfach zu sehr genau nach dem aus: einem riesigen Marderbiss. Und dass dort irgendetwas seltsames vor sich geht im Grenzwald, davon konnte ich mich später sogar selbst von Überzeugen.

Ich hatte zudem Gerüchte vernommen, dass Fremde in der Stadt seien und habe sie auch prompt bei Kelly in der Taverne gefunden. Der eine war ein Halb-Ork mit einem niedlichem Eidechsenhund an seiner Seite, der jedoch nicht für Hirschkeule und Streicheleien zu begeistern wahr. Also der Eidechsenhund, nicht der Halb-Ork. Der andere war ein Bibliothekar namens Bleviar, den ich noch nicht so recht einzuschätzen weiß. Ebenfalls mit am Tisch war mal wieder Lydia, die wohl in der Gegend war und auf einen Happen zu Essen vorbeigekommen ist.

Bleviar hat bei mir aber schon mal einen Pluspunkt gesammelt: So ist er bereit sich um den wohl etwas stumpfsinnigen Halb-Ork und seinem Purzel – so heißt der Eidechsenhund – zu kümmern, den Safander bei sich vor dem Tempel in der Regenrinne gefunden hat. Als er daher Interesse an dem Wintereinbruch am Grenzwald zeigte und zum Hof vom altem Dampski wollte, war ich gerne bereit ihm den Weg zu zeigen (okay, und weil ich eh mir dieses seltsame Wettereignis mit eigenen Augen ansehen wollte). Da Kelly ihm Geleitschutz geben wollte, erhielt ich zudem eine willkommene Gelegenheit mich bei ihr nach Neuigkeiten zu erkunden. Und ich könnte natürlich Dampski selber nach den Vorkommnissen auf dem Hof befragen und müsste mich nicht mehr auf Gerüchte verlassen.

Nachdem ich eben noch Mütterchen Theodora Bescheid gegeben habe, dass ich dem Hof einen Besuch abstatten will, sind wir auch schon los. Dort angekommen ärgerte ich mich, dass ich nichts zum Überwerfen mitgenommen habe, denn es war merklich kälter im Dorf. Mit Dampski konnte ich jedoch nicht sprechen, da laut seinen Kindern, Filessa und Broka, er gerade im Dorf war. Dafür konnte mir Broka eine interessante Geschichte über einen sprechenden weißen Hirsch erzählen, den er vor ein paar Tagen, am Mondtag, getroffen hat. Er hat sich nichts dabei gedacht, als er dem Hirsch bereitwillig alle Fragen beantwortet hat. Für mich hörte es sich aber so an, als ob der Hirsch ihn gezielt ausgefragt hat. Denn nur einen Tag später wurde, was von der erfrorenen Ernte noch über war, gestohlen. Kelly hat sogar im Schnee Fußspuren vom Feld in den Grenzwald gefunden, denen wir erstmal folgten.

Weit kamen wir jedoch nicht. Der Schnee war irgendwann so tief, dass wir nicht mehr vernünftig vorankamen und dann hat uns auch noch ein Tatzelwurm, so hat Bleviar das Ding genannt, aufgelauert! Mit vereinten Kräften (bis auf Bleviar, der steckte im Maul des Tatzelwurms) konnten wir ihn aber besiegen. Da es beständig am Schneien war, sind wir schnell den Spuren weiter gefolgt und kamen auch zu dem Fluss, an dem Broka, den weißen Hirsch nachlaufend, eingebrochen war. Danach verlor sich die Spur und wir mussten umkehren. Nicht zuletzt, weil wir uns gerade den Hintern am Abfrieren waren, weil keiner von uns winterfeste Kleidung mitgenommen hatte. Wer konnte auch schon vermuten, dass es im Hochsommer SO kalt wird?

Zurück im Dorf haben wir Safander Bericht erstattet, der uns zugleich auch bat am nächsten Tag zur vierten Stunde zum Rathaus zu kommen. Um was es genau ging, hat er aber nicht verraten. Bevor ich nach Hause bin, habe ich mir aber noch diesen seltsamen Tatzelwurm näher angesehen. Wir hatten bei der Begegnung wohl Glück gehabt, da der Wurm im Körper einen prallen Sack mit Gift mit Öffnung in den Rachenraum hinein besaß. Er hätte uns also vermutlich eine üble, giftige Wolke ins Gesicht blasen können. Besser ich besorge mir Gegengift für den Fall, dass mir so ein Ding nochmal über den Weg läuft.

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21. Sarenith 4713 - Feuertag
Prolog - Ein Tag in Heldren

Eine sanfte Sommerbrise wehte durch ihr zu einem Dutt verknotetes, blondes Haar. Schnellen Schrittes überquerte sie den gepflasterten Dorfplatz und hielt auf die Schmiede zu. Isker würde wissen, wie die derzeitige Situation einzuschätzen ist. Niemand sonst im Dorf verfügt über seine Erfahrung, die man nur durch jahrelangen Dienst an der qadirischen Grenze erhalten kann.

Nicht nur die Berichte von aus dem Grenzwald zurückkehrenden Jägern über unnatürlich kaltes Wetter, welches vor ein paar Tagen dort hereingebrochen ist – und das mitten im Hochsommer! – machten ihr Sorgen. Der Kälte folgten starke Schneefälle und wer aus dem Wald zurückkam, berichtete von seltsamen Vorgängen und neuen, gefährlichen Raubtieren. Mütterchen Theodora behauptete, dass finstere Zeiten bevorstünden. Wie zum Beweis dieser Schreckensprophezeiung traf vor einer Stunde ein übel verwundeter Soldat im Ort ein, der behauptet, als Leibwächter für die Edle Argentea Mallasene gearbeitet zu haben als diese nahe dem Waldrand von Räubern und fremdartigen Winterkreaturen angegriffen worden seien.

Sie musste sich hiervon selbst ein Bild machen und würde nach dem Besuch von Isker weiter zur Weidenapotheke gehen, in der sich der Verwundete abgeschirmt vor der übrigen Dorfbevölkerung erholte.

Morgen war Sterntag, Zeit für die wöchentliche Ratsversammlung; dort würde sie ihre Befürchtungen zur Sprache bringen und gemeinsam mit den anderen Ratsmitgliedern an einer Lösung arbeiten.

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